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"und isch sach noch so..."

Und so begab es sich, dass ein jung wirkender Mann mittleren Alters sein Leben abrupt - jedoch sorgfältig und fast schon liebevoll geplant - beendete. Warum bloß? Die Frage wagte sich keiner auch nur im entferntesten zu Stellen, der Zeuge dieses bizarren Schauspiels wurde, denn - er persönlich hielt es für einen feinen Zug - die Antwort stand geschrieben auf dem T-Shirt, das er trug. Gut leserlich und kaum blutverschmiert. "Mir scheint die Sonne aus dem Arsch". Dieser Satz sprang einem direkt als zweites ins Auge, nachdem einem der Anblick von seinem zur Fratze verzogenen Gesicht überdrüssig geworden war.


Eines dieser billigen T-Shirts, die man in besonders gut sortierten Souvenir-Shops bekam und die den potentiellen Kunden dazu brachten, sein zielloses Umherirren kurzzeitig zu unterbrechen, um sich an den kecken Sprüchen zu erquicken und so wenigstens zu erahnen, dass Kurzweiligkeit doch mit Urlaub vereinbar ist.


Er selbst blätterte in einem Katalog für Teenager und Junggebliebene. Ein Versand hatte sich auf Oberbekleidung und Accessoires für den coolen 7.-Klässler spezialisiert und es doch irgendwie geschafft, auch seine Aufmerksamkeit zu erhaschen. Dieser schlaue Spruch hatte es ihm besonders angetan. Und ohne zu zögern griff er zum Telefonhörer, setzte die Wählscheibe in Bewegung, orderte das entsprechende T-Shirt in größe XL - er wollte es bequem haben, Gedanken darum, wie er darin aussah, machte er sich wenig.


Warum auch?


Ja, warum auch?


Helge...


Reinhold...


HELGE...


REINHOLD...


Seine Gedanken floßen und er fand es urkomisch, nun bei diesem Helge-Schneider-Sketch ein wenig zu verweilen.


Das T-Shirt wurde ihm wie versprochen zugesandt in einem Pack-Paket der deutschen Post und er öffnete das Paket sehr ungehalten, striff das T-Shirt über und stellte sich vor seinen Badezimmerspiegel. Er musste unwillkürlich Lachen und noch unwillkürlicher streckte er seinem Spiegelbild den Mittelfinger entgegen. Das überraschte und verschrak ihn ein wenig.


"Du zeigst dir selbst den ominösen fuckfinger?!"


Die Jugend hatte ihn erneut eingeholt. Er wollte es nicht, aber er blieb dazu verdammt, ein jung wirkender Junggebliebender mitte 30 zu bleiben.


"Es gibt auch noch die Ironie des Schicksals!", hatte diese einfältige, kleine, geile, blonde Fickschlampe in seinem Religionskurs einmal behauptet, als sie sich in die Diskussionsrunde rund um das "SCHICKSAL" einbringen wollte. Der noch kleinere, dicke, freundliche Religionslehrer hatte ihr väterlich zugestimmt, um sie in ihrer oberflächlichen Naivität nicht zu stören "Ja natürlich, Anja. Es gibt auch die Ironie des Schicksals!" Und weiter??? Diese Frage stand im Raum und wollte absolut nicht beantwortet werden. Sie lähmte diese bis dahin äusserst aufschlußreiche Diskussion. SIE lähmte sie jäh. "Blödes Miststück", murmelte er.


In diesen Tagen der Erkenntnis schaffte er es doch immer wieder, seine Misere anderen Menschen zuzuschreiben.


Misere - das waren für ihn Löcher im Speck kleiner Robbenbabies, in denen man heutzutage mit Vorliebe Kokain ins Land schmuggelte.Erneut versank er in Wahnwitzigkeiten. Diesmal huldigte er Bela B. Felsenheimer. Und wieder verweilte er.


Großartiges Philosophieren stand ihm schon seit Monaten nicht mehr gut zu Gesichte.


Er sang aus voller Kehle die Moritat, während der schwarze Mann einige Meter weiter mehrere Flaschen Leitungswasser in seinem Bauch verschwinden ließ, um sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder auszukotzen. Niemand blieb stehen, niemand begeisterte sich für eines ihrer bizarren Schauspiele. Doch er hatte noch einen letzten Trumpf im Ärmel. Ein Messer. Im Ärmel. In der tief stehenden Nachmittagssonne blitzte es auf, gut geschärft. Er setzte es mit einer chirurgischen Genauigkeit an und öffnete zuerst seine rechte Pulsader senkrecht, will heißen von OBEN nach UNTEN längs des Handgelenks, bevor er noch fachmännisch seine Halsschlagader durchtrennte um nocheinmal die Moritat anzustimmen. Das Singen fiel ihm schwerer, als er es geplant hatte. Er hatte Tränen in den Augen. Sein animalisches Brüllen verklang zu einem Gurgeln:


"UND DÄRRRR HAIFISCH DÄRRR HAT ZÄHNE UND DIE TRRRÄGT ÄRRRRR IM GÄSISCHT - UND MACHEATH DÄRRR HAT EIN MÄSSSSÄR -DOCH DAS MÄSSSÄR SIEHT MAN NISCHT"

14.9.06 02:00
 


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Frau Lehmann / Website (14.9.06 21:41)
an nem schööönen, blauen sonntaaag; liegt ein tootärrr mann am strrand.
oder -
alles klar für die evakuierung der seele.

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